Die Quellenanalyse ist das zentrale Handwerkszeug des Geschichtsunterrichts. Wer eine Quelle analysiert, arbeitet wie ein Historiker: Er fragt, wer etwas wann, für wen und mit welcher Absicht geschrieben hat, und ordnet es in den historischen Zusammenhang ein. Ein festes Schema hilft, nichts zu vergessen.
Eine Quelle stammt aus der Zeit, über die sie Auskunft gibt – ein Brief von 1914, ein Gesetz von 1871, ein Plakat von 1932. Eine Darstellung ist später entstanden und deutet die Vergangenheit – ein Schulbuchtext, ein Fachbuch. Die Unterscheidung ist wichtig, weil beide unterschiedlich analysiert werden.
Hier werden die äußeren Merkmale erfasst – die sogenannten W-Fragen:
Die zentralen Aussagen werden in eigenen Worten zusammengefasst – gegliedert und mit Zeilenangaben. Außerdem wird die Sprache untersucht: Ist sie sachlich, emotional, polemisch? Gibt es auffällige Begriffe, Wertungen, Feindbilder? Die Argumentation wird herausgearbeitet: Was will der Autor erreichen?
Die Quelle wird in den historischen Zusammenhang eingeordnet: Was war damals los? Welche Ereignisse gingen voraus? Welche Interessen standen sich gegenüber? Hier ist Vorwissen gefragt – und hier trennt sich eine gute von einer sehr guten Analyse.
Zum Schluss wird die Quelle kritisch bewertet: Wie glaubwürdig ist sie? Aus welcher Perspektive ist sie geschrieben? Was verschweigt sie? Welchen Erkenntniswert hat sie für Historiker? Oft wird außerdem ein Sachurteil (aus damaliger Sicht) oder Werturteil (aus heutiger Sicht) verlangt.
Ein Soldat schreibt im August 1914 an seine Familie: „Weihnachten sind wir wieder zu Hause.“ Formal: privater Brief, Kriegsbeginn, Adressat Familie. Inhalt: Erwartung eines kurzen Krieges. Kontext: Viele Menschen erwarteten 1914 einen schnellen Sieg; die Kriegsbegeisterung war in Teilen der Bevölkerung groß. Beurteilung: Die Quelle zeigt eine verbreitete Stimmung, nicht aber den tatsächlichen Verlauf – der Krieg dauerte bis 1918.
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